Update meiner Daiquiri-Tasting-Reihe…
Warum eigentlich »leichter«?
![]()
Weil meines Wissens nach ein klassischer Daiquiri mit einem leichten und tatsächlich ungereiftem Rum (z.B. ungereifter kubanischer Rum) gemixt wird. Daher auch der Ausdruck „Daiquiri-Rum“. Blöd nur, dass meine mittlerweile größere Auswahl an „weißen“ Rums entweder aus leicht gelagerten (ggf. gefiltert) und/oder Pot-Still-Rums besteht. Davon haben dann auch nur die wenigsten <50%. ![]()
Ungelagert ist klar — wäre ja sonst auch ein Rum Sour. Aber beim »leichten« Rum bin ich skeptisch. Ob um 1900 schon zwischen leichtem und stärkerem Rum unterschieden wurde ist zumindest fraglich. Letztendlich ist das obige Rezept eine zeitgenössische Variante (das Original wurde ja angeblich im Glas gebaut) und da würde ich »leicht« einfach streichen. Wie du schon sagst stellt »leichter« Rum die meisten hier vor ein ernsthaftes Problem …
![]()
Also, ich habe jetzt nicht die Zeit genau im Detail zu recherchieren, wann welche Technik in Cuba eingeführt wurde, aber es gibt z.B. hier einen guten Einstieg ins Thema.
Ein paar Details:
- Auf anderen Seiten habe ich gelesen, das in Cuba seit Mitte des 19ten Jahrhundert Column-Stills zum Einsatz kamen. Das muss aber nicht richtig sein. Im oben verlinketen Artikel heißt es:
In 1911 the Bacardis retired the old pot still the company had used for nearly fifty years, replacing it with the latest version of a modern “Coffey” still, which processed larger quantities of fermented molasses far more efficiently.
…
The company ordered its first Coffey still after Enrique Schueg saw one demonstrated at an international exhibition in Paris in 1889. The Bacardis were the first rum makers in Cuba to use a Coffey still.
- Kuba scheint zu den ersten Ländern zu gehören, in denen Charcoal-Filterung in der Rumherstellung zum Einsatz kam. Habe aber auf die schnelle nicht herausgefunden seit wann das der Fall ist.
- Generell produziert man in Kuba wohl zwei Columnstill-Destillate. Aguardiente ist noch recht aromatisch und kommt mit 75% aus der Columnstill, während Destilado de Caña (aka Redistillado) ca. 95% hat. Aguardiente wird ein paar Jahre gelagert, dann filtriert und anschließend mit Destilado de Caña und Wasser gemischt, um „ungelagerten“ Rum zu erzeugen. Seit wann man nach diesem Prinzip verfährt habe ich wieder nicht auf die Schnelle herausfinden können. Fakt ist, dass es dazu zumindest ide Columnstills brauchte. So richtig ungelagert ist das Produkt dann natürlich nie!!!
- Ich habe auch noch nicht herausgefunden mit wie viel Prozenten kubanischer Rum um 1900 abgefüllt wurde… (in den 1930ern hatte HC knapp über 40%.
Hier gibts noch mal eine ausführlichere Abhandlung (wie viel davon stimmt und wie viel vermutet/interpretiert ist bleibt offen) bei der auch die Rede von »leichterem« Rum ist.
Hi, ich möchte dich heute nach deiner Rum-Empfehlung fragen: Welchen starken Charakter Rum magst du mir ans Herz legen?
Meine Anforderungen:
- Es soll noch im Rahmen eines typischen, leckeren Daiquiris sein. Keine absolute Nerdgeschichte.
- Möglichst nicht Jamaica. Nicht falsch verstehen, Jamaica-Rums machen sich richtig gut in Daiquiris, aber ich will mal was haben was traditioneller ist, weniger Jamaica- und weniger Bananen-Aroma.
- Es soll hoffentlich ewig lange verfügbar sein auf dem Markt. Kein Night Rambler der ausverkauft ist und vermutlich auch keine S.B.S. (Single Barrel Selection) vom Vertrieb 1423. Ich will halbwegs sicher gehen können, dass es das Produkt lange geben wird.
Was sind deine Gedanken dazu?
Ich habe da ganz gute Erfahrungen mit 12-jährigen Rums aus der Dominicanischen Republik gemacht: Ron Relicario, Ron Esclavo und Brugal 1888 dürften dauerhaft verfügbar sein.
Weit weg von Jamaica, aber ebenso weit weg von Kuba.
Allerdings gelagert und nicht Daiquiri typisch.
@drum-drum Bin zwar kein Riesen Fan aber was hälst du von Bacardi Superior 44,5%
Der Banks 5 macht einen guten Daiquiri, aber soviel ich mitbekommen habe wurde der eingestellt…?![]()
Wie wärs mit einem Plantation 3 Stars oder einem Veritas white?
Mir scheint du hast recht. Zumindest ist die Verfügbarkeit nicht mehr gegeben. Gut, dass ich mal bei einem Sonderangebot zu geschlagen hatte. Nun werde ich doch etwas vorsichtiger den Einsatz der letzten Flaschen verplanen.
(Hat natürlich trotzdem Jamaika Anteil und Bananengeschmack
!)
Achja stimmt…die beiden haben ja auch Jamaica Anteile
Mein fehler.
Jamaika ist halt auch ein geiles Aroma! Ich werde den Veritas mal besorgen und schauen wir geschmacklich hervorstechend die Jamaika Anteile sind.
Ich finde ihn nicht zu krass. Banane dominiert zwar im Geschmack (ist jetzt nicht super frisch-fruchtig) aber hat keine dreckigen Ester-Noten.