Sloe-Gin & Co

Heute war ich im Morgengrauen Schlehen ernten. Die findet man üblicherweise in Hecken an Feldern. Nach zwei Nächten mit Frost ist jetzt eine Gute Zeit für die Ernte. Die Büsche hängen noch voll und die meisten Früchte sind noch nicht beschädigt.

Zwei sehr gute Guides zur Schlehenernte und zum Ansetzen von Sloe-Gin findet man beim Difford’s Guide.

Die meisten älteren Spaziergänger, denen ich heute morgen über den Weg gelaufen bin, kannten sich interessanterweise mit Schlehenlikör aus. Nur die letzte Dreiergruppe an jungen Rentnern waren recht planlos, die sahen zunächst nur mein Rennrad, das an den Busch gelehnt war, weil ich gerade die letzten Beeren auf der Rückseite pflückte. Sie diskutierten dann ein wenig, ob sie etwas wegen dem vermeintlich verlassenen Rad unternehmen sollten. Schließlich entschied der Mann in der Runde, er würde das Rad auf Facebook stellen? :confounded: Zu dem Zeitpunkte musste ich mich dann doch bemerkbar machen. Falls euch also mal euer teures Rad abhanden kommen sollte, schaltet erst gar nicht die Polizei ein, sondern schaut lieber mal auf Facebook nach, ob es nicht irgendjemand gepostet hat. :crazy_face:

Wieder zu hause habe ich die Stiele von den Schlehen entfernt, die bereits beschädigten aussortiert und die Schlehen gewaschen. Jetzt ruhen sie im Gefrierfach um die Bitterstoffe zu neutralisieren und die Früchte für die Mazeration aufzubrechen.

In erster Linie will ich Sloe-Gin ansetzen. Angeregt von den oben genannten Guides über lege ich aber auch einen Versuch mit Vodka und einen mit Rum anzusetzen. Hat jemand von euch bei Sloe-Rum Erfahrung? Ich hätte spontan an irgendeinen eher fruchtigen weißen Rum gedacht… ?

So, habe jetzt endlich die ersten Schlehen aus dem Tiefkühlfach geholt und in 47%igen Gin eingelegt.

Das Rezept vom Difford’s Guide schlägt zwar vor 500 g Schlehen auf 1,5 Liter Gin einzulegen, ich habe mich jetzt aber erstmal an die 1:1 Rezeptur (500 g Schlehen auf 500 ml Gin) von @Nevercatcher gehalten. Damit hatte ich in der Vergangenheit schon gute Ergebnisse erhalten. Vielleicht mach ich noch eine Batch mit 1:3 zum Vergleich.

EDIT: Falsch gelesen. Difford’s Guide verwendet auch 500 g Schlehen auf 500 ml Gin!

1 Like

Heute habe ich die Zweite Charge angesetzt.

Habe diesmal zum Ausprobieren auch kleinere Ansätze mit anderen Spirituosen gemacht: Vodka, Rhum Agricole, Cachaca, Mezcal, Tequila. Mal schauen, wie die sich entwickeln. Gegebenenfalls kann ich dann nächstes Jahr mehr davon machen.

1 Like

So, habe mittlerweile die abgefahrenen Mischungen mal Abgefüllt. Ohne Zucker, weil den kann man ja im Drink immernoch hinzu geben. Nach ca. 4 Monaten bekommt man schon einen deutlichen Geschmack von den Kernen. Das geht dann in Richtung Kirschkern/Mandel-Aroma. Zu manchen Spirituosen passt das ganz gut, zu anderen weniger. Ich hatte die Einmachgläser, in denen ich mazeriert hatte etwas alle 2 Woche einmal kräftig geschüttelt. Allerdings waren zum Schluss die meisten Beeren noch fest und intakt (nicht zermatscht, wie ich es in anderen Berichten gelesen hatte). Hier mein Fazit:

Spirituose Geschmack Bemerkung
Cachaca 51 Fruchtig, sauer, leicht astringent, deuticher Schlehengeschmack mit leichter Kirschkernnote Ist ganz okay und sehr universell einsetzbar. Der Cachaca passt so gut zur Schlehe, dass man den Cachaca nicht individuell heraus schmeckt. 2 Monate Mazeration hätten hier gereicht. Auf das Kirschkernaroma kann man hier gut verzichten.
Finnlandia Vodka Kräftig, leicht vergoren. Das Kirschkernaroma ist hier extrem stark Vor 2 Monaten war der Fruchtgeschmack der Schlehe hier deutlich ausgeprägter. Nun dominieren die Kerne. Im Grunde kann man mit Vodka eine tolle Schleheninfusion machen, die nur nach Schlehe schmeckt und im Drink dann nach belieben mit Gin oder anderen Spirituosen kombiniert werden kann. Ich würde in dem Fall aber definitiv zu lediglich 2 Monaten Mazeration raten.
H.S.E. Blanc (Rhum Agricole) Leicht sauer und astringent. Der Fruchtcharakter des Agricole (Banane, etc.) sind noch sehr präsent. Dazu gesellen sich aber Fruchtaromen der Schlehe, die in Kombination an Zwetschgen und Beeren erinnern. Passt gut. Braucht definitiv die 4 Monate, damit die Schlehe sich gegen den intensiven Rhum behaupten kann.
Topanito Tequila Blanco 50% Etwas fruchtig, sauer und viel Wurzelgemüse! Meh! Muss nicht sein. Vor zwei Wochen hatte der Tequila stark dominiert und nicht zur Schlehe gepasst. Jetzt schmeckt das ganze nach Gemüsekeller…
San Cosme Mezcal (musste den mal los werden) Fleischig, etwas fruchtig und leicht astringent. Kann man machen. Die Schlehe entwickelt den Geschmack vom Mezcal weiter und wandelt in diesem Fall die Rauchnoten in fleischige Geschmacksnoten um. Die 4 Monate sind hier durchaus notwendig, da vor 2 Monaten die Infusion noch zu stark durch den Mezcal dominiert war.
1 Like

Womit ich noch Probleme habe ist das Abseihen der Infusion. In Ermangelung eines Abseihtuchs habe ich bisher zunächst feine Siebe und anschließend einen Kaffee-Filter verwendet. Der setzt sich aber direkt zu, sodass es Stunden dauert, bis 200 ml Flüssigkeit durchlaufen und man hat hinterher trotzdem noch Frucht-Stückchen in der Flasche. Jetzt habe ich mal mit einem Stoff-Teesieb und Papier-Teesieben experimentiert. Da läuft die vorfiltrierte Flüssigkeit deutlich schneller durch aber es bleiben auch hier Fruchtstückchen. Ich sollte mir wahrscheinlich irgendwo mal ein Abseihtuch bestellen und dann wie in anderen Guides auch beschrieben zweimal durch das Tuch abseihen, ohne es zwischendurch auszuwaschen. Das soll wohl ganz gut funktionieren.

Aktuell fülle ich den klassischen Sloe Gin ab und versuche mit den übrigen Beeren noch Gelee zu machen.

:stuck_out_tongue:

Nice! Anscheinend ist keine Idee blöd genug, dass sie nicht schon jemand umgesetzt hat. :laughing:

1 Like