Meine ersten beiden geshakeden Cocktails des Jahres
Ich hatte tatsächlich nur zwei gerührte im Januar gehabt und hole jetzt das Posting eines Tiki-Drinks von vor ein paar Tagen, sowie eines (beziehungsweise zwei) Schaumweincocktails von gestern nach. Beide Drinks mit verschiedenen saisonalen Oleo Saccharums.
Bone Dry Blood
Ich habe seit etwa zwei Jahren Skull Mugs im Gläserschrank stehen, ohne diese bisher benutzt zu haben. Eine gute Gelegenheit, einen Tiki Drink zu kreieren, insbesondere, weil ich frische Blutorangen bekommen habe.
Rezept:
- 4,5 cl gereifter, milder Jamaica Rum (Appleton 12)
- 1,5 cl gereifter, esterlastiger Jamaica Rum (Hampden HLCF Overproof)
- 1,5 cl gereifter Demerara Rum (El Dorado 15)
- 1,5 cl gereifter Rhum Agricole (Clément XO)
- 1,5 cl Maraschino Likör (Luxardo)
- 3 cl Limettensaft
- 4,5 cl Blutorangensaft
- 2,25 cl Blutorangen-Demerara-Oleo-Saccharum
- 6 Tropfen (⅛ TL) Pernod
- 2 Dashes Angostura Bitters
- 3 Ingwerscheiben
- Garnitur: Blutorangenscheibe, Minze & Kandierter Ingwer
Zubereitung:
Ingwerscheiben im Rum muddlen, restliche Zutaten hinzufügen und shaken. Double Strain auf crushed Ice (selbstverständlich im Lewis Bag frisch zerpimmelt) in einen Tiki-Mug, garnieren.
Trockener, als sich die Rezeptur liest, aber dennoch balanciert. Ich war erst nicht so überzeugt von dem Drink, insbesondere weil ich kein all zu großer Freund von Orangensaft in Cocktails bin (es gibt ein paar Ausnahmen wie Blood & Sand oder Monkey Gland), aber mit etwas Verwässerung durch das zerstoßene Eis öffnen sich die Aromen und das Ganze wird gut trinkbar. Geht tatsächlich etwas in Richtung eines klassischen 1934er Zombies, aber milder und etwas fruchtiger und süßer. Die Rumpower braucht sich aber ebenfalls nicht zu verstecken und ist, trotz aller aromatischer Wucht, sehr ausgewogen und komplex. Die Rumbasis gefällt mir wirklich gut und jeder der vier Rums fügt sich gut in das Gesamtbild ein. Appleton als solide Basis mit etwas Eichenholz, der gereifte Rhum Agricole bringt eine trockene Grasigkeit ein, während der Hampden für Carbonsäureester sorgt und der El Dorado 15 die Demerara typische Röstaromatik ins Spiel bringt. Das Blutorangen-Oleo-Saccharum sorgt für eine sehr präsente Zitrusfruchtnote, während Ingwer reichlich scharfe Gewürzaromen einbringt. Pernod und Angostura sorgen für weitere Gewürzanklänge und Tiefe, der Limettensaft sorgt für die richtige Portion Säure. Zwar ziemlich viele Zutaten, aber diese ergeben einen komplexen, tikitypischen Geschmackseindruck.
Gegen Ende finde ich den Cocktail doch ganz gelungen, das Teil lebt von einem gewissen Maß an Dilution durch das Crushed Ice, auch wenn ich zugehen muss, schon noch bessere Ideen gehabt zu haben. Vielleicht würde dem Drink ein dirty Dump, den ich sonst im Shaker zubereitet eher ablehne, gut tun.
Bergamot 75
Der erste Schaumweincocktail des Jahres - und was für einer. Mein guter Freund @Cold.Buttered.Steve und ich haben zusammen frische Bergamotten bestellt. Ich habe ein paar Bergamottenzesten mit Zucker vakuumiert und ein paar Tage in Kühlschrank ruhen lassen, um Oleo Saccharum zu erhalten, das die Grundlage des Bergamot 75 bildet. Weil der erste Drink so gut und der Sekt sowieso offen war, habe ich noch einen zweiten mit einem anderen Gin zubereitet. Der Erste war mit meinem Standardgin dem Tanqueray Ten, der Zweite mit Lister 3 Gin. Leider habe ich nur den ersten fotografiert.
Rezept:
- 3 cl Gin (erster Cocktail mit Tanqueray Ten, der zweite mit Lister 3 Gin)
- 1,5 cl Bergamottensaft
- 1,5 cl Bergamotten-Oleo-Saccharum (mit etwas heißem Wasser angelöst)
- Schaumwein zum auffüllen, ca. 6 bis 8 c. (Immich-Anker Brut Narure Zero Dosage Rieslingsekt)
- Garnitur: Bergamottenzeste
Zubereitung:
Alles außer dem Sekt shaken, Double strain und mit dem Schaumwein auffüllen.
Hat schon starke Earl-Grey-Tee-Anklänge, nur ohne den Schwarzteegeschmack. Der Sekt sorgt für das nötige prickeln und der Gin bildet ein stabiles Fundament. Insgesamt schön herb, aber irgendwie trotzdem gefällig, mit gutem Trinkfluss und vor allem sehr balanciert. Auch die beiden verschiedenen Gins haben einen großen Unterschied ausgemacht: Beide haben zwar würzigen Wacholder als Basis abgeliefert, der Tanq Ten ging dann aber, durch seine stark ausgeprägten Zitrusfruchtnoten in eine sehr smoothe und gefällige Richtung, während der Lister 3 mit ausgeprägtem Lavendel und Ingwer, die beide als Botanicals enthalten sind, einen floral-würzigen Kontrapunkt setzt.
Wenn ich beide Drinks bewerten und ranken müsste, würde ich sagen, dass beide wirklich sehr gut waren, der Lister 3 Gin aber ein etwas spannenderes Ergebnis abgeliefert hat und mir ein μ besser gefallen hat. Auf jeden Fall werde ich nächste Bergamottensaison auch andere Gins testen.