Affinity Cocktail

Affinity Cocktail
none 5.0 2

Zutaten

Menge Zutat
3 cl Blended Scotch Whisky
3 cl süßer Wermut (italienisch)
3 cl trockener Wermut (französisch)
2 dashes Aromatic-Bitters (z.B. Angostura)

Deko

Zitronenzeste

Glas

Coupette

Zubereitung

Auf Eis rühren und in ein vorgekühltes Cocktailglas abseihen.

Anmerkungen

Der Affinity ist eine Variante des Rob Roys und wurde 1909 das erste mal in einem Cocktailbuch erwähnt. (Jacob A. Didiers „The Reminder“). Das Rezept taucht aber bereits 1901 in einem Zeitungsartikel der New York Sun als „Sidewalk Cocktail“ auf, wie detailiert auf bar-vademecum beschrieben.

Varianten

Beals Cocktail mit doppelt so viel Scotch und ohne Bitters (Jacob Abraham Grohusko, „Jack’s Manual“ (1908)).

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Ich denke, der zweite Wermut muss nicht zwangsläufig wirklich trocken sein. Die historischen Rezepte sagen nur italienischer + französischer Wermut. Ich habe gerade den Cocktail sowohl mit Noilly Prat und Dolin Blanc ausprobiert. Mit dem süßeren Dolin Blanc schmeckt der Drink deutlich besser. Zur vollstänfigkeithalber der Vollständige Rezept, dass ich verwendet habe:

3 cl Monkey Shoulders
3 cl Carpano Antica Formula
3 cl Dolin Blanc

Historisch steht Frankreich für trockenen Wermut und Italien für süßen Wermut. Mittlerweile gibt es natürlich aus beiden Ländern trockene und süße Wermuts …

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Blanc Vermouth aus der Chambéry gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert (siehe hier). Das würde ich durchaus historisch nennen. Zudem waren international zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine große Auswahl europäischer Wermuts erhältlich. Im „Manual del Cantinero o Cocktelero Perfecto“ von 1910 wird z.B. zwischen sechs verschiedenen Wermuts allein bei den Wermut-Cocktails (Seiten 30–33) unterschieden. In „Manual del Cantinero“ (1915) werden sogar sieben Wermuts gelistet. Darunter auch „Vermouth Chambery“ bei dem es sich nach David Wondrich um Blanc Vermouth handelt. Dieser wird dann historisch z.B. im El Presidente verwendet.
Es mag schon sein, dass in Amerika Anfang des 20. Jahrhunderts meist trockener weißer Wermut verwendet wurde (Quellen?), aber solange dies nicht genau spezifiziert ist sollte man denke ich beides ausprobieren. Und der Version mit Noilly Prat würde ich nur knapp 4 von 5 Sternen geben.

Ich habe nicht behauptet, dass es nicht schon damals auch andere Wermuts in den jeweiligen Ländern gegeben hätte. Der Großteil des französischen Wermuts war aber eben trocken und der Großteil des italienischen süß und entsprechend waren die Formulierungen gängig. Das lässt sich auch belegen.

Bei Wikipedia findet sich dazu folgende Aussage: »Noch heute wird der italienische Wermut meist als liebliche Variante angeboten, während französischer Wermut meist trocken ist.« Ich meine dass so auch schon in Büchern gelesen zu haben.

Wenn dir der Cocktail besser mit ausschließlich süßem Wermut schmeckt ist das völlig legitim. Ich würde nur nicht so weit gehen das Originalrezept in diese Richtung abzuändern – das kann dann jeder für sich entscheiden. Ich fand die Version mit Antica Formula, Noilly Prat und 2 dashes Angostura Bitters ziemlich gut als ich sie vor einiger Zeit probiert habe.

Gut, dann schreiben wir historisch getreu italienisch und französischer Wermut. Habe noch Bitters ergänzt.

Ich fände »süß« und »trocken« besser da diese Formulierungen auch in vielen anderen Rezepten im Forum verwendet werden und universeller sind. Ich hab beispielsweise nur süßen spanischen und trockenen deutschen Wermut im Haus. :grimacing: Italienisch & Französisch kann man ja in den Anmerkungen zum Drink noch erwähnen.

Bei Scotch Whiskey könnte man noch auf »blended« präzisieren. Sonst kommt noch jemand auf die Idee krassen Single Malt zu vermixen (geht sicher auch aber entspricht wahrscheinlich nicht dem Grundgedanken).

Ich hatte bei bar-vademecum mal angefragt wie authentisch sie es sehen einen französischen Blanc-Wermut in einem historischen Rezept zu verwenden, dass nach „französischem Wermut“ verlangt. Immerhin hatten sie ja ebenfalls vorgeschlagen den Affinity Cocktail mit Dolin Blanc zuzubereiten.

Darauf hin hat Armin jetzt diesen Artikel auf bar-vademecum veröffentlicht, basierend auf unserer Diskussion hier im Forum.

Ich hab mir den Artikel durchgelesen und kann der Argumentation an mehreren Stellen nicht folgen. Ich habe sogar das Gefühl es wurde gezielt nach einem bestimmten Ergebnis gesucht und die Fakten wurden entsprechend ausgelegt.

Ich werde das später noch einmal konkretisieren …

In Armins Artikel gibt es einige Unstimmigkeiten und persönliche Interpretationen die nicht mit Fakten belegt werden. Mir fehlt leider die Zeit um auf jeden Punkt einzugehen – deshalb hier nur einige Beispiele:

Eine gewisse Voreingenommenheit lässt sich bereits darin ablesen, dass er bezüglich Noilly Prat schreibt: »Die Firma wurde im Jahr 1813 von Joseph Noilly gegründet, und in diesem Jahr soll er ein Rezept für einen trockenen Wermut perfektioniert haben.«. Etwas später schreibt er: »Der Wermut von Noilly Prat soll der erste trockene Wermut der Welt sein.« und impliziert so, dass es sich um unbelegte Vermutungen handelt. In Bezug auf Dolin wird deutlich weniger in Frage gestellt und Armin schreibt: »Sechs Jahre später, im Jahr 1821, erfand er ein Wermut-Rezept, den sogenannten Vermouth de Chambéry.«

Der besagte Wermut von Dolin war übrigens ein süßer roter Wermut ähnlich dem Vermouth di Torino von Carpano. Den Sprung in die USA wagte Dolin mit diesem Produkt erst im Jahr 1876 (www.dolin.fr/en/our-story). Armin ist sich sicher, dass Dolin damals bekannt und erhältlich war. Zu diesem Zeitpunkt kannte man Noilly Prat bereits über 30 Jahre. Das Noilly Prat damals der bekanntere französische Wermut in den USA war halte ich für sehr wahrscheinlich. Der Dolin Blanc auf den Armin sich bezieht wurde übrigens erst 1881 entwickelt. Wann er erstmals in die USA exportiert wurde weiß ich leider nicht.

Das Armin die vorhandenen Quellen sehr spezifisch interpretiert lässt sich sehr gut an dem Artikel aus dem Journal of the Society of Arts vom 11. August 1899 (Seite 753) aufzeigen. Zitiert wird folgende Passage:

»The quality of the vermouth manufacture in France depends in a great measure upon the sort of wine used. The wines most employed are those of the valley of the Rhone, certain Spanish wines, and the wines of the extreme South of France. There is a difference between the French and Italian vermouth. A number of French manufacturers make Italian vermouth, however, not for the purpose of deceiving the customer as to its origin, but merely as a type of vermouth, distinct in flavour from the article known as French vermouth.«

Daraus schlussfolgert Armin, dass sich italienischer Wermut und französischer Wermut durch die »Aromatik« unterscheiden und nicht vorrangig durch den Zuckergehalt. In der zitierten Passage ist von Zucker allerdings keine Rede. Das Zucker eine Auswirkung auf den Geschmack bzw. die Aromatik hat dürfte aber jedem klar sein. Würden wir gefragt werden wie sich »Noilly Prat Dry« und »Antica Formula« unterscheiden wäre bei den meisten wohl einer der ersten Punkte die »Süße« oder die »Farbe«. Das sich auch das Aroma unterscheidet ist unstrittig, nur ist diese Unterscheidung eben sehr viel subjektiver als Süße und Farbe. Davon abgesehen unterscheidet sich das Aroma auch innerhalb der Kategorien »trocken« und »süß« mitunter stark (Siehe Wermut-Tasting 2016).

Noch interessanter ist allerdings was nicht zitiert wird:

»The two principal points in Europe from which vermouth is exported are Marseilles and Turin.«

Ich denke man kann diesen Satz so interpretieren, dass der Großteil des exportierten Wermuts um 1900 aus Marseille und Turin kam. Mit Marseille dürfte weiterhin »Noilly Prat Dry« gemeint sein und mit »Turin« die besagten italienischen Wermuts aus der Region.


In der ursprünglichen Diskussion ging es nie darum, dass es historisch gesehen nur »trockenen« französischen und nur »süßen« italienischen Wermut gegeben hätte. Das es damals unterschiedlichste Produkte in beiden Ländern gab ist unstrittig. Die Frage war vielmehr welcher Wermut jeweils typisch bzw. weit verbreitet war und den historischen Rezepten zugeordnet werden kann. Hier bin ich nach wie vor der Meinung das mit französischem Wermut »trockener« und mit italienischem Wertmut »süßer« Wermut gemeint ist. Das man alte Rezepte dogmatisch mit diesen Produkten mixen muss ist natürlich Quatsch – man sollte den Wermut verwenden der zum persönlichen Geschmack passt. Dazu muss man weder historische Quellen nennen noch versuchen Drinks in Wermut-Kategorien zu klassifizieren.

Cheers!

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„süß“ und „trocken“ find ich auch barrierefreier als mit historischen Begriffen zu kommen. Dennoch ist die Einordnung hier in der Diskussion endlich mal wieder ordentlich nerdy und für die, die tiefer einsteigen wollen genau richtig. Noch auf inhaltlicher Ebene: Die mittlerweile deutschen, spanischen und anderweitig vorhandenen Wermuts zeigen ja auch, dass die Entwicklung aus Turin und Marseilles sich mittlerweile ausgebreitet hat und man somit verkürzen würde, wenn man nur diese Pole in Rezepten darstellt. Gibt es noch landesspezifische Aromatiken? Ähnlich wie im Amaroartikel würde ich dann die Aromatik in deutlich mehr Bereiche aufteilen, etwa nach alternativen Bitterstoffen wie etwa Chinin.

Die spanischen Wermuts sind beispielsweise oft »weiniger« und kommen mit weniger Alkohol aus. Die Bitterkeit ist natürlich ein weites Feld und zwischen Antica Formula und Pontica Red liegen Welten.

Ich hatteletzte Woche unter Armins Artikel noch einmal auf die Diskussion hier verwiesen. Der Post wurde aber bis jetzt nicht freigeschaltet. Man mag sich der Kritik anscheinend nicht stellen … Schade. Der Blog verliert für mich dadurch viel an Glaubwürdigkeit.